Montag, 26. Oktober 2015

Michael Firnkes: Das gekaufte Web (Teil 1)

Teil 1: Werbung

Michael Firnkes

Das gekaufte Web

Wie wir online manipuliert werden

Ja, das Web kommerzialisiert immer mehr. Niemand wird dies bestreiten oder bestreiten können. Was +Michael Firnkes  aufdeckt sind die Methoden dahinter. Es sind nicht die Werbebanner, die jeder sofort als Werbung erkennt und die zumeist akzeptiert sind. Es ist der Hinweis auf die Schleich- oder schleichende Werbung und Manipulation, der diese Buch wichtig macht.

Und der Autor weiß worüber er schreibt. Er selbst hat manipuliert und getrickst, wie er freimütig zugibt, blöderweiser hört sich das teilweise an, wie eine Gebrauchsanleitung für andere, ebenfalls diese Methoden anzuwenden. Es sei ja so einfach Geld damit zu verdienen. Halten wir Firnkes zugute, daß er mit entsprechender Literatur in früheren Werken sein Geld verdiente und so diesen Stil einfach beibehielt.

Werbung ist nichts schlechtes, wenn sie den als solche behandelt und gekennzeichnet wird! Richtig, wir sind es gewohnt, damit umzugehen (zumindest ein großer Prozentsatz der Konsumenten). Gefährlich wird es, wenn die Werbung als "Information" daher kommt. Eine Unart, die immer mehr um sich greift. Mit Nachdruck ist der Forderung von Michael Firnkes daher nachzukommen, daß auch Blogger dem "Pressekodex des Deutschen Presserates" unterliegen sollten. Sie wollen ja auch als Journalisten behandelt werden. Und diese Forderungen ist nicht abwegig, was würde den "Deutschen Presserat" daran hindern ein Register einzuführen, in dem sich Blogger freiwillig registrieren und auf die Einhaltung des Pressekodex hin prüfen lassen könnten? Das Ergebnis könnte ein eine Auszeichnung als geprüftes Presseprodukt oder ähnliches sein.

Nein, es geht nicht darum die Werbung zu verbannen. Es geht darum die Manipulation zu verbannen und die immer perfideren Methoden, die diese mit sich bringen. Und natürlich gibt es Grauzonen, wenn ich hier in diesem Blog die Überschrift mit der Verlagsbeschreibung verlinke, es dem Leser also einfach mache meine Meinung mit der des Verlages zu vergleichen. ist das schon Manipulation? Oder wenn ich wunschgemäß (tatsächlich haben mich sehr viele Leser darum gebeten, diese Verlinkung wieder einzuführen, als ich das nicht mehr wollte) die ISBN-Nummer mit einem Online-Shop verlinke, wo das Buch zu bestellen ist. Nein, ich glaube nicht, daß das Manipulation ist. Das sind Links die jeder erkennen und verwenden kann (oder auch nicht). Genauso wie Banner, die sollte Zwischenzeitlich jeder als Werbung erkennen können.

© Michael Firnkes
Ist es nicht so, daß wir das kostenlose Web wollen? Ist es nicht so, daß "Bezahlinhalte", außer in Ausnahmefällen, kaum eine Chance haben? So haben die freien Inhalte ein Problem: wer will die Inhalte recherchieren, erstellen und veröffentlichen ohne Einnahmen dafür erzielen zu können? Vorweg aus den Print- und TV-Medien wissen wir, daß diese ohne Werbung nicht existieren könnten und wir haben das akzeptiert. Natürlich kommen wir da in ein Fahrwasser, das Firnkes mit Recht geiselt: "Gefestigt von derlei Mechanismen und Techniken entsteht mit der Zeit eine spezielle Online Yellow Press, ähnlich der so genannten Regenbogenpresse. Sie wird von Protagonisten und Mechanismen gesteuert, die nichts mehr mit der Berufsethik qualitätsorientiert arbeitender Medienvertreter zu tun haben." (Seite 43f). Und spielt damit darauf an, daß sich die Inhalte der Werbung anpassen, die "Schere im Kopf" verbietet die Kritik und objektive Betrachtung der Werbetreibenden.

Das Buch ist im "Verlag Heinz Heise (Telepolis)" erschienen. ISBN: 978-3-944099-08-8


Ich habe diese Besprechung in zwei Teile gegliedert, um zu vermeiden, daß diese wichtigen Themen vermischt werden. Der zweite Teil wird sich mit "Meinungsmanipulation" (ab dem 27.10.2015 online) befassen.

Gerne würde ich diese Themen mit Euch weiter besprechen, bitte verwendet hierfür unser Forum.