Samstag, 11. Juli 2015

Jochen-Martin Gutsch, Maxim Leo: Sprechende Männer

Schon der Titel macht stutzig: "Sprechende Männer". Natürlich sprechen Männer, sie unterhalten sich, sie halten Vorträge und erzählen Geschichten. Darüber ein Buch zumachen, das den Untertitel "Das ehrlichste Buch der Welt" trägt, macht neugierig.
Schon der Vorspann macht deutlich, daß ein anderes "Sprechen" von den beiden Journalisten gemeint ist. Klar, in der Medienwelt ist vieles anders und Journalisten reden gerne. Und die beiden leben in verschiedenen Welten, verschiedenen "Männerwelten". Der eine (Jochen-Martin Gutsch) ledig und los, der andere (Maxim Leo) verheiratet, mit zwei Kindern. Beide um die 40 Jahre alt.

Um das Gespräch zu vervielfältigen fand sich auch ein Verleger, der eine Vorgabe machte: "Ihr macht ein Experiment. Das längste Männergespräch der Welt. Total offen, intim, ehrlich. Ohne Tabus." Er ergänzte und jetzt wird es ehrlich: “Ihr sollt gar kein Männergespräch führen, sondern ein Frauengespräch.”
Liest man dann in den Gesprächen, weiß man was gemeint ist. Kein Mann würde sich in die Kneipe (oder wo soll so ein Gespräch stattfinden: im Büro, in einem Restaurant, Zuhause?) setzen und mit seinem Kumpel, auch nicht mit seinem besten, solche Inhalte in dieser Form bereden.

Die nächste Einschränkung folgt auf der gleichen Seite: Kommuniziert wird per eMail. “Also keine Telefonate, kein Treffen – nur die E-Mails.” Tja, damit ist der Effekt des Gespräches dahin. Jetzt ist klar, das können sogar Männer, ins Besonderen wenn es Journalisten sind, schreiben lässt sich über jedes Thema. Dem anderen in die Augen schauen und dabei intime Gespräche führen, nein, dafür sind Männer nicht geschaffen.

Also, bevor der Spaß beginnt, muß man feststellen, daß "Das ehrlichste Buch der Welt", auf zwei Lügen basiert: 
Erstens ist es kein Männergespräch, sondern ein Frauengespräch, das von zwei Männern nachempfunden wird. 
Und zweites ist es kein Gespräch, sondern ein eMail-Austausch.

Das soll nur niemanden davon abhalten, das nach Themen und Tagen gegliederte Werk zu lesen, es gibt genug Passagen, die es wert sind. Das ist jedoch kein Männer-, sondern ein Frauenbuch!

 
Erschienen beim "Karl Blessing Verlag", München 2011. ISBN: 978-3-89667-440-1



(Ich habe das Format verändert, es gibt keine Links mehr zu Anbietern, die stehen zur Genüge bei den Verlagsinformationen, die sich nunmehr hinter dem Link des ISBN verstecken.)