Samstag, 21. März 2015

Casimir Carrère: George Sand - Liebende und Geliebte

Falls man sich einmal mit den verwandschaftlichen Beziehungen in den Adelshäusern beschäftigt, kann man, wie Casimir Carrère, zu dem Schluß kommen: "So ist die spätere George Sande also 'nicht nur die Urenkelin eines echten Monarchen, sondern über die weibliche Linie auch eine Kusine Ludwig XVI., Ludwig XVIII., Karl X. und infolgedessen auch mit seinem Enkel Wilhelm II. verwandt!' (Alphonse Séché und Jules Berthaut, George Sand, 1909, S. 6)".
Ob sie darüber glücklich war, mag das Geheimnis der Sozialistin und Kämpferin für Frauenrechte bleiben.


Was Carrère mit seiner Arbeit, "George Sand - Liebende und Geliebte", vorlegt, ist verwirrend. Auch wenn "Bastei-Lübbe" das Buch in seiner Reihe "Biographie" veröffentlichte, es ist keine. Das wissenschaftlich aufgemachte Buch befasst sich tatsächlich ausschließlich mit den Beziehungen der Aurore Lucile Ammantine Dupin, wie George Sand laut Geburtsurkunde benannt war. Eigentlich kein Stoff, der ein ganzes Buch füllen sollte, zumal es über das Wirken der Sand, weit wichtigeres zu berichten gäbe. Wirklich Interessantes birgt das Buch auch nicht, die wohl gebräuchlichsten Vokabeln sind: "man könnte annehmen", "vielleicht", "könnte bedeuten das" usw. - es wird mehr gemutmaßt, wie geforscht.
Selbst der Autor kommt im Epilog zu dem Schluß: "bis zu ihrem Tot im Jahre 1876 sind uns nur drei weitere (neben der zu ihrem Ehemann, Casimir Baron Dudevant, und zu Frédéric Chopin. Anm. d. Autors) Liebesbeziehungen bekannt."

Dafür spekuliert Carrére aber ausgiebig und interpretiert in Dokumente hinein, was außer ihm niemand je so gesehen haben könnte. Die hochkarätigen Namen sind es wohl, die das ganze anziehend machen sollen. Schließlich steht dort ein Franz Liszt, neben Heinrich Heine oder Gustave Flaubert usw.
Sicherlich ist nicht wegzudiskutieren, daß Sand eine unerfüllte Ehe führte, sonst hätte sie sich wohl nicht scheiden lassen. Und warum sollte eine junge, fortschrittliche Frau keine Liebhaber haben (lt. Carrére eventuell auch eine Liebhaberin)?

Allerdings, Schlußfolgerungen zu ziehen wie: "Wahrscheinlich ist die sexuelle 'Kasteiung' die Unruhe ihres leidenschaftlichen Interesses für die Politik." (im Zusammenhang zu Chopin). Der Autor scheint zu vergessen, daß Sand auch außerhalb der acht Jahre, die sie mit Chopin liiert war, politisch tätig gewesen ist.

Die französische Originalausgabe "George Sand Amoureuse" erschien 1967 bei "La Palatine SAEL", Paris. Das vorliegende Taschenbuch wurde 1979 im "Gustav Lübbe Verlag" herausgegeben.

ISBN 3-404-01159-7

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Das Buch ist im "Begegnungszentrum Pattaya" zur Ausleihe vorhanden.